Wie letztens schon angesprochen… die Sache mit dem Glühwein. Wer kennt das nicht?!

In der hektischen Zeit, die doch eigentlich eher ruhig und besinnlich sein soll, ist der Wunsch nach einem tollen, wärmenden Glühwein groß. Doch leider erwischen wir uns und viele andere immer, wie wahllos nach der Christkindlzuckerbombe für 0,99 € gegriffen wird.Flasche oder Tetra Pack auf, in die Mikrowelle. fertig!  Muss ja schließlich schnell gehen.

Muss es das wirklich?!

Mal ganz ehrlich: Wie fühlt man sich, wenn man eine oder zwei Weinflaschen für diesen Preis getrunken hat? Richtig: schlecht, genauer gesagt: sehr schlecht. Und warum soll das nach dem „Genuss“ von Glühwein in dieser Preisklasse anders sein?!

Zu einem richtig guten Glühwein gehört immer ein richtig guter Wein. Punkt. Und nein, er ist nicht zu schade dafür. Je besser der Ausgangsstoff, je besser der Glühwein. Natürlich gehört beim Abschmecken und Würzen ein wenig Fingerspitzengefühl dazu, denn das Geheimnis liegt in der perfekten Mischung der Zutaten, nicht in der Menge des zugegebenen Zuckers. Grundsätzlich lassen sich sowohl trockene als auch restsüße Weine verarbeiten, rot wie weiß. Und wer schon mal einen Glüh-Rosé getrunken hat, weiß, dass das auch ein absolutes Erlebnis ist. Es gilt: Experimentieren erlaubt. Man darf sich ruhig an seine ganz persönliche Spezialmischung herantasten. (Aufschreiben nicht vergessen!!)

Ein paar Dinge gibt es jedoch zu beachten:

1. Weinqualität (siehe oben)

2. Weine mit weichen, frischen Fruchtnoten sind besonders gut geeignet

3. Säure darf vorhanden sein, ggf. kann man sogar Zitrone oder Limette hinzugeben

4. Nach Möglichkeit Weine mit hohem Tanningehalt vermeiden

5. Barrique-oder Holzaromen sind in der Glühweinbereitung meiner Meinung nach nicht besonders wohlschmeckend

6. Mit frischen Gewürzen erreicht man sehr gute Ergebnisse, lieber keine fertige Mischung verwenden

7. Gewürze anfangs sparsam dosieren, lieber nachwürzen

8. Zucker dezent einsetzen, brauner Rohrzucker eignet sich gut

 

Mein persönliches Favoritenrezept für ca. 4 Liter Glühwein

(bitte nicht über die Menge wundern! Der fertige Glühwein lässt sich prima aufheben und dann bei Bedarf erwärmen. Also lieber ein wenig mehr ansetzen )

5 x 0,75l Wein (weiß oder rose oder rot der gleichen Sorte)
5 Orangen (reif, süß, besonders gut sind die, bei denen “zum Auspressen” auf dem Etikett steht)
1 Apfel, saftig
10 cl brauner Rum
1 ganze Vanilleschote
5 TL Zimtpulver
10 ganze Nelken
2 ganze Sternanis
3 getrocknete Pimentbeeren
5 Kardamon-Samenkörner
100g brauner Zucker

 

Zubereitung:

Die Orangen halbieren und kräftig auspressen. Beim Pressen darf ruhig das Fruchtfleisch mit in den Saft gelangen, denn unser Glühwein soll zum Schluss alles andere als “ klar” sein. Dieser Glühwein wird “naturtrüb”.

Den Apfel schälen, das Kerngehäuse entfernen und in dünne Spalten schneiden.

Die Sternanis in einem Mörser zerstoßen und anschließend zu einem Pulver mörsern. Dann die restlichen Gewürze (Nelken, Piment und Kardamom) mit hinzu geben und ebenfalls fein mörsern. Unser Glühwein darf später einen Bodensatz besitzen. Deshalb werden die Gewürze gemörsert hinzu gegeben. Vorteil: Sehr intensiver Gewürzgeschmack bei geringerer Gewürzmenge, exakte Dosierung, kein Gewürzrausfischen zum Schluss.

Die Vanilleschote auf einer Seite längs aufschneiden. Mit dem Rücken eines Schälmessers über die aufgeklappte Schote streichen umso das Vanillemark herauszustreichen. Das Mark aufbewahren.

Nun wird ein großer Topf benötigt, der 4- 5 Liter aufnehmen kann. Der Wein wird eingefüllt, der Topf sanft erhitzt.

Anschließend werden der Rum, der Orangensaft und die Apfelscheiben hinzu gegeben. Wer mag, kann hier auch wie angesprochen mit zwei drei Zitronen oder Limettenscheiben (unbehandelt) experimentieren. Danach werden das Vanillemark, die gemörserten Gewürze, das Zimtpulver und der Zucker in den Topf gegeben. Gut umrühren!

Dieses Rezept verwendet recht wenig Zucker. Dadurch schmeckt dieser Glühwein zwar würzig, jedoch nicht so süß. Wem das nicht reicht, zuckert einfach nach Belieben nach.

Der sicherste Weg, einen werdenden Glühwein zu ruinieren ist, ihn zum Kochen zu bringen.

Treten die ersten Kochblasen an die Oberfläche, ist dies ein sicheres Zeichen dafür, dass der Glühwein zum Kinderpunsch wird. Der Grund: Durch das Kochen entweicht der Alkohol. Deshalb ist wichtig: Beim Erhitzen neben dem Topf stehen bleiben. Der Glühwein darf nicht kochen! (Der Alkohol entweicht trotz kochen jedoch keinesfalls zu 100% – der Glühwein ist daher nach dem Kochen nicht für Kinder oder Menschen mit dem Wunsch nach alkoholfreien Getränken genießbar)

30 Minuten wird das Getränk auf kleiner Flamme heiß gehalten. So aromatisiert es gleichmäßig durch. Danach darf es abkühlen. Profis trinken das Wintergetränk nicht sofort, sondern geben ihm eine Nacht zum Nachziehen. Der fertige Glühwein lässt sich im abgekühlten Zustand prima in gründlich ausgespülte Flaschen mit Schraubverschluss füllen. Diese Flaschen lassen sich meist problemlos 2 Wochen lagern. Beim Abfüllen dürfen die Apfelstreifen und der Gewürzbodensatz ruhig mit in die Flasche gelangen. Am besten kühl und dunkel aufbewahren.