Seit dem Wochenende ist es wieder so weit.

Nassgrau, da und dort ein wenig Schneematsch. Holzhütten drängen sich dicht an dicht, lustlos mit künstlichem Tannengrün behangen. Bunte, flackernde Lichter versuchen eine Art Discoatmospäre zu zaubern...kommt fast hin, denn dicht drängelt sie durch die schmalen Gänge: die dicke, zähflüssige Menschenmasse, ein Einheitsbrei aus Grau, Braun und Schwarz, dekoriert mit ziemlich lächerlichen roten Weihnachtsmannmütze, sie schieben und pressen sich erbarmungslos aneinander vorbei. "Heee passt doch mal auf", "Aua", ein genuscheltes" 'tschuldigung". Aus den Lautsprechern dröhnt blechern eine nervtötende Stimme untermalt von seichtem Geklimper dass wohl entfernt an eine Melodie erinnert. Riechen tut es auch nicht besonders...nach ziemlich verkohlter Bratwurst, penetrantem Knoblauch Frittierfett und kalten Mandeln...der Glühwein verdient den Namen nicht, lauwarm wird das billige Zuckerwasser lustlos in Tassen abgefüllt. 10 Minischritte in gefühlten 10 Minuten und man kann wunderschöne fleischfarbene Unterwäsche erwerben, die man nicht mal seiner schlimmsten Großtante schenken würde (sofern man denn eine hat.)). Auch der Strumpfstand, die indianische Traumfängerbrigade und unsere vietnamesischen Mitbürger die diveres original Gucchi Uhren und Taschen verkaufen können die Stimmung nicht wirklich heben.

Horroszenario Weihanchtsmarkt.


Die Läden sind rappelvoll jeder sucht nach DEM Geschenk..schneller, größer, weiter, bunter, lauter, höher und teurer muss es sein. Und wenn nix gefunden wird was wirklich passt...Naja eine Flasche Wein geht immer... natürlich vom Besten den sie haben. Und bitte gleich fertig einpacken, soll ja hübsch aussehen.

Am Heiligabend wird dann das Fläschlein bewundert: "Oohhh das ist ja eine Überraschung, toll da freue ich mich wirklich!"... und ab in den Keller oder in die Vorratskammer. Im Sommer zur Grillparty es ist schon später..."Ach ja ich habe da noch einen Wein da, weiß auchne woher der ist". Aufgemacht - "Schmeckt ganz gut  oder Schmeckt nicht.. naja".

Oh du schöne Weihnachtszeit!

Tun Sie sich, dem Wein und vor allem dem oder der zu Beschenkenden doch eine wirkliche Freude. Wie wähle ich den richtigen Tropfen aus? Was sollte ich beachten? Was muss ich alles wissen? 

Den richtigen Geschmack zu treffen ist nämlich gar nicht so leicht beim Wein vielleicht noch schwerer als bei Socken oder der passenden Krawatte. Zunächst gilt es sich zu fragen wie gut ich denn die Person überhaupt kenne, was weiß ich über Ihre Vorlieben. Je genauer ich weiß, was sie gern trinkt oder isst je besser ist es natürlich. Aber auch da scheitern wir ja schon oft kläglich.

Eigentlich ein guter Moment sich doch zu fragen: Wie gut kenne ich mein Umfeld, meine Freunde oder meine Familie wirklich?

Mann oder Frau? eher der klassische Typ oder moderner? Experimentierfreudig? Alter? Weinfreund, Gelegenheitsgenießer oder Neuling? Weiß oder Rot? trocken oder eher restsüß? zu welcher Gelegenheit soll der Wein getrunken werden? Gibt es ein (Wein)land zu welchem der Beschenkte einen besonderen Bezug hat? Oder Erinnerungen an eine Reise? Hat er vielleicht ein Lieblingsweingut oder eine Rebsorte die er besonders mag? Oder gibt vielelicht sogar das Etikett etwas her was ihn oder sie an Etwas erinnert? Trauen sie sich also ruhig zu sich diese Fragen VOR dem (W)Einkauf zu stellen. Sie werden schnell merken, dass es nicht so schwer ist die richtigen Fragen zu Stellen und auch Antworten zu finden. Genau und dann braucht es nur noch jemanden der dann anhand dieses Fragenprofils einen wein auswählen kann. Sie trauen sich das nicht selber zu? Dann lassen Sie sich beraten! Gehen Sie in ein gutes Fachgeschäft oder nutzen Sie auch im Internet die vielfältigen Möglichkeiten - auch das Weinkontorteam steht Ihnen mit Rat und Tat zur Seite! Sie werden sicher eine gute Wahl treffen.

Stöbern Sie doch zum Beispiel mal in unseren Angeboten, im Dezember empfehle ich Ihnen den

Spätburgunder der Winzergenossenschaft Bischoffingen

Ein sehr eleganter und ausgewogener Wein mit klarem dichtes Rubinrot. Sonnenverwöhnt strahlt er komplex und vielschichtig aus dem Glas. In der Nase umschmeichelt uns die typische Sauerkirschnote, vielelicht ein wenig Schokolade und beerige Nuancen. Am Gaumen überzeugt er mit guter fester Struktur und seiner klaren Linie. Die Säure ist frisch ohne spitz und unangenehm zu sein, die Tannine und der Alkohol sind fein eingebunden. Der lange wohldefinierte Abgang machen diesen Wein zu einem hervorragenden Begleiter für typische (Vor)Weihnachtsessen, wie Wild oder Ente.

Und auch als Grundwein für hervorragenden selbsgemachten Glühwein eignet er sich bestens! Bitte halten Sie mich nicht für verrückt, jeder der einmal einen Glühwein selber gemacht hat wird dies bestätigen können: Vergessen Sie alle mögliche Zutaten - wenn die Basis - nämlich Ihr Wein nicht schmeckt, dann kann logischerweise auch Ihr Glühwein trotz aller Liebesmühen nicht schmecken.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Adventszeit, wenige Horrorszenarien wie beschrieben (ich gebe zu: die Situation auf den Märkten hat sich schon gebessert) und vor allem auch einige Momente des Innehaltens und freue mich Ihnen vielleicht bei der Suche nach Ihrem ganz persönlichen Weingeschenk behilflich zu sein.

Und selbstverständlich werde ich Ihnen verraten wie Sie einen genialen Glühwein ohne großen Aufwand selber machen können.

Viele herzliche Grüße

 

Ihre Irene Grusla